Imme Nullmeyer

Imme Nullmeyer, Horn

PARTNER UNSERER STIFTUNG - Menschen, die uns nahe stehen

Von links: Dr. Helmut Hafner, Vorsitzender der ALHS; Imme Nullmeyer, Organisatorin der Weihnachtsfeier in der Evangelischen Gemeinde Horn; Klaus Nullmeyer, Ehemann und freiwilliger Helfer - Fotos: Gennady Kuznetsov

In unregelmäßigen Abständen wollen wir Menschen vorstellen, die sich in und mit unserer Stiftung für unsere Ziele engagieren. Den Anfang macht Imme Nullmeyer, Jahrgang 1945, gebürtige Hannoveranerin. Sie lebt seit 1978 in Bremen und fühlt sich hier sehr wohl. Seit 2011 engagiert sie sich ehrenamtlich für das Projekt "Weihnachten gemeinsam" der Anneliese-Loose-Hartke-Stiftung (ALHS), 2017 hat sie die Organisationsleitung der Weihnachtsfeier in der Evangelischen Gemeinde Horn übernommen. Die Fragen stellten Helmut Hafner und Gennady Kuznetsov.

 

Seit vielen Jahren engagieren Sie sich in unterschiedlichen zivilgesellschaftlichen Projekten, in denen es darum geht, Menschen zu helfen. Auch bei dem Projekt "Weihnachten gemeinsam" der Anneliese-Loose-Hartke-Stiftung sind Sie dabei. Was treibt Sie dabei?

Ich bin so erzogen worden - es ist einfach in mir drin, dass ich gerne Menschen helfe, wenn sie meine Hilfe benötigen, das ist mein Antrieb. Und besonders, wenn jemand alt wird, braucht er oder sie ab und zu Hilfe. Und dafür möchte ich da sein. Ich mache das nicht, um etwas zu bekommen, sondern weil ich in der Gemeinschaft lebe und meine Funktion in der Gemeinschaft darin sehe.

 

Sie haben in Ihrem Leben verschiedene Tätigkeiten ausgeübt. Welche davon war oder ist für Sie am wichtigsten?

Die waren für mich alle wichtig zu dem Zeitpunkt, wo ich sie ausgeübt habe. Zuerst habe ich Bühnentanz (Ballett) studiert und bin in verschiedenen Theatern aufgetreten: in Hannover, Innsbruck, Bayern. Dieses Tanzen kann man aber nicht ewig machen - man wird älter, der Nachwuchs kommt, und dann kommen auch Begebenheiten im Leben, die einem einen Strich durch die Karriere machen. Und das ist mir auch passiert. Mit 35 musste ich mit dem Tanzen aufhören, und wenn man in einer Saison aufhört, kommt man nicht wieder rein. Als ich anfing mit dem Tanzen, dachte ich, ich heirate sowieso mal reich, ich brauche nichts Anständiges zu lernen. Leider ist es nicht eingetreten, das reiche Heiraten, und da musste ich mir was Anderes überlegen, um Geld zu verdienen.

Was war die einschneidende Erfahrung, die Sie plötzlich in eine andere Lebensspur gebracht hat?

Ich habe geheiratet. Leider war aber die Verbindung nicht glücklich. Zuerst glaubt man an die Liebe, aber es erfüllt sich nicht alles, was man glaubt.

 

Und wie ist es dann weiter gegangen?

Ich musste ja sehen, dass ich selbst Geld verdiene - am Theater verdient man sowieso nicht viel, und als Tänzerin schon gar nicht. Und dann habe ich in Hannover eine Buchhandelslehre angefangen.

Wie kamen Sie auf die Idee?

Ich habe immer gerne gelesen, und das ist bei mir so: ich habe mal gerne getanzt, und dann dachte ich, ich werde Tänzerin, und da ich gerne lese, werde ich Buchhändlerin. Ich habe allerdings die Lehre nicht fertig gemacht - da kam wieder eine unglückliche Liebe dazwischen.

 

Das heißt, die Liebe hat Sie wieder aus der Bahn geworfen?

Ja. Und Alkohol.

 

Wie alt waren Sie, als Sie an den Abgrund gerückt sind?

So Mitte 20, aber das habe ich auch dann viele Jahre durchgehalten. Und entsprechend war dann auch mein Leben.

Und wie sind Sie da rausgekommen?

Dadurch, dass ich nach Bremen gegangen bin. Ich habe Nähe und Wärme gesucht und habe dann meinen jetzigen Mann kennengelernt. Und der hat mich eines Morgens Knall und Fall zum Arzt gebracht: der Arzt hat mir gleich den roten Schein ausgefüllt, und ich musste in die Entzugsklinik. Das war 1980. Und da bin ich geblieben bis Anfang 1981 und habe seitdem nicht mehr einen Tropfen getrunken. Ich und mein Mann waren dann später bei den Johannitern als ehrenamtliche Helfer tätig. Mein Mann macht den auch den Fahrdienst dort, er fährt mit Bewohnern einkaufen oder macht mit ihnen Auswärtsfahrten, und wir haben auch Immobilien, die er betreut, auch handwerklich. Wir haben viel Verständnis füreinander und viel Vertrautheit und Fairness.

 

Gibt es für Sie so was wie einen Lebenssinn?

Das ist mir nicht so bewusst. Vielleicht ist es der innere Antrieb, den Menschen zu helfen? Ich habe einen unglaublichen Respekt vor dem Alter eines Menschen. Wenn ich andere Menschen sehe, die alt sind, und mir überlege, was haben sie für eine Biografie hinter sich, was haben sie alles an Dingen erlebt und es irgendwie geschafft. Dann will ich ihnen zeigen: ich achte sie und stehe ihnen zur Seite.

 

Seit wann kennen Sie unsere Stiftung, die Anneliese-Loose-Hartke-Stiftung, die das Projekt "Weihnachten gemeinsam" macht?

Zuerst war ich mit meinem Mann als Gast bei Weihnachten gemeinsam in der Horner Gemeinde, weil wir in der Nähe wohnen, und da hat uns die Atmosphäre dort sehr gut gefallen. Wir haben dann auch mal eine Nachbarin mitgenommen, die alleinstehend ist, auch andere animiert, mitzugehen, und irgendwann hat es sich so ergeben, dass ich auch selber etwas dafür tun wollte.

 

Eines unserer Ziele ist es, Einsamkeit zu bekämpfen. Kennen Sie Menschen, die einsam sind?

Ich kann das nicht so genau einschätzen. Es gibt in meinem Umfeld einsame Menschen, aber man zeigt so was heute nicht mehr, weil es mit Scham verknüpft ist. Und man will auch keine Schwäche zeigen. Die Gesellschaft ist heute anders, kälter und härter. Darum ist es schwer, die Einsamkeit zu erkennen. Ich weiß gar nicht, warum es ein Zeichen der Schwäche sein soll - es ist eigentlich eine natürliche Erfahrung. Vielleicht denkt der Mensch, er ist verletzbarer, wenn er alleine ist, da ist niemand, der ihm beisteht. Jedenfalls gibt es sie, die Einsamkeit, und es gibt sie auch zu zweit.

 

Denken Sie auch manchmal über den Tod nach?

Oft. Ich finde, er gehört dazu. Vor meinem eigenen Tod ist mir nicht bange, da habe ich keine Angst und auch kein Bedauern. Für mich ist es schlimm, wenn ich durch den Tod andere Menschen verliere. Das sehe ich oft bei der Sterbebegleitung, und das geht mir näher als Gedanken über mein eigenes Verschwinden. Mein Vater hat immer gesagt, das ganze Leben führt unweigerlich zum Tode, und an diesen Satz denke ich öfter. Aber einen Verlust zu ertragen, das ist das Schwere.

 

Haben Sie noch Lebensträume?

Ich bin eigentlich jeden Tag zufrieden. Ich habe nicht den Drang, noch etwas Anderes zu erreichen. Ich lebe ja jeden Tag viel. Und ich lebe gern!

KONTAKT :

 

Ansprechpartner: Dr. Helmut Hafner

Telefon 0177-9720413

 

 

Büroadresse:

Riensberger Str. 58

28359 Hamburg

 

E-Mail: info@alhs.eu